In Erinnerung an Wolfgang Metzler

Ein Nachruf auf den „Vater der Hessischen Schülerakademie“

Veröffentlicht am 23. April 2021 in News von ; zuletzt geändert: 3. Mai 2021
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Am 2. April 2021, in der Nacht von Karfreitag auf Karsamstag, starb Prof. Dr. Wolfgang Metzler nach kurzer schwerer Krankheit. Für die Hessischen Schülerakademien ist damit ein Mensch von uns gegangen, der wie kein anderer die Entstehung, Konzeption und Entwicklung der Hessischen Schülerakademien geprägt und bis zu seinem Tod begleitet hat. Wolfgang Metzler und Cynthia Hog-Angeloni gründeten die HSAKA-Oberstufe nach Erfahrungen in den Deutschen Schülerakademien und in Seminaren für Studierende mit Schwerpunkt Begabtenförderung in Zusammenarbeit mit der Internatsschule Schloss Hansenberg. Aus diesen Wurzeln erwuchs die 1. Hessische Schülerakademie für die Oberstufe im Jahr 2004. Besonders wichtig war es Wolfgang Metzler, dass der Ort der HSAKA nicht irgendein Schulgebäude, sondern die Burg Fürsteneck mit ihrer spezifischen (Bildungs-)Tradition und ihrer besonderen Atmosphäre sein sollte. Im Jahr 2011 kam dann in Kooperation mit Ferenc Kréti die HSAKA für die Mittelstufe dazu – entstanden aus dem Gedanken, dass es für interessierte Schüler*innen gerade in der Mittelstufe oft schwierig ist, ihren Interessen im Schulalltag intensiv nachzugehen, ohne als Streber*innen bezeichnet zu werden. Mit gutem Recht wird Wolfgang Metzler als der „Vater der Hessischen Schülerakademien“ bezeichnet.

Ein Gedanke, der von Anfang an die Entwicklung der HSAKA begleitete, war, dass es in dieser Art der Begabtenförderung nicht um die Frage der Förderung späterer exzellenter Arbeitskräfte gehen sollte, sondern um eine Haltung der Freude an der intensiven Auseinandersetzung mit herausfordernden Themen und insbesondere dem gemeinschaftlichen Arbeiten und Diskutieren, das Schüler*innen mit den Kursleiter*innen auf gleicher Augenhöhe verbindet. Das Lernen sollte nicht geprägt sein von Konkurrenz, wer am schlauesten und intelligentesten ist, sondern von Neugier, Faszination, von einer inneren Motivation und dem Erlebnis, gemeinsam schwierige Aufgaben zu lösen. Diese Haltung ist nach wie vor Grundlage der Förderung interessierter und begabter Jugendlicher in den HSAKA und diese Werteinstellung war Wolfgang Metzler äußerst wichtig und wurde von ihm immer wieder betont.

In den letzten Jahren hat sich Wolfgang Metzler Stück für Stück aus der aktiven Leitung herausgezogen und auch auf den Schülerakademien nur noch gelegentlich Kurse angeboten. So gibt es inzwischen einerseits Schüler*innen, die Wolfgang Metzler nicht mehr kennenlernen konnten und anderseits auch welche, die Wolfgang Metzler – nicht zuletzt aufgrund seiner manchmal komplizierten Ausdrucksweise und des Altersabstandes – nicht mehr so recht verstanden. Gerade deshalb ist es uns wichtig, das Engagement und die Verdienste Wolfgang Metzlers für die Schülerakademien zu verdeutlichen: Er hat nicht nur den Grundstein für die HSAKA gelegt, sondern aus diesem ein stabiles Fundament gemacht. Heutzutage würde man sagen, dass ‚Netzwerken‘ wohl eine seiner Stärken war, wenngleich er sich selbst nie so bezeichnet hätte. Aber Wolfgang Metzler hatte ein untrügliches Gespür dafür, welche Menschen er in welcher Atmosphäre zusammenbringen musste, sodass aus diesen Begegnungen nachhaltige Ergebnisse, inspirierende Projekte und neue Freundschaften entstehen konnten. Bei all der Arbeit, die Wolfgang Metzler in den letzten zwei Jahrzehnten für die HSAKA geleistet hat, bewundern wir seine Hartnäckigkeit, seine vielfältigen und kreativen Impulse und seinen Mut, auch in ungewissen Zeiten richtungsweisende Entscheidungen zu fällen. Ohne ihn wären die beiden Hessischen Schülerakademien nicht nur nicht das, was sie heute sind – sie wären überhaupt nicht.

Die große Vielfalt seiner Interessen und Kenntnisse reichte von seinen geliebten Fächern Mathematik und Musik über allgemein naturwissenschaftliche, politische und kulturelle bis hin zu theologischen Themen. Dabei war die Konzentration auf das „Essentielle“, das für Beziehungs- und Lernprozesse Wichtige, kennzeichnend für Gespräche mit Wolfgang Metzler sowohl im privaten Kreis, wie auch in der Gremienarbeit. Persönliche Gespräche und Begegnungen waren ihm sehr wichtig und sie begleiteten immer seine Organisations- und Managementaktivitäten.

Das Orgel- und Klavierspiel gab ihm Kraft und er bezauberte mit seinen Improvisationen viele von uns. Seine theologischen und politischen Impulse flossen immer wieder in seine Arbeit ein – zuletzt bei den Planungen zu einem inhaltlich konzeptionellen Treffen zu pädagogischen Themen in Kreisau, der polnischen Bildungsstätte, die ihre Wurzeln in der Widerstandsbewegung gegen den Nationalsozialismus hat. Ursprünglich in Südtirol entstanden, waren solche Treffen, die der intensiven Diskussion und Entwicklung von Konzepten für die inhaltliche Arbeit dienten und bei denen fachübergreifende qualifizierte inhaltliche Arbeit mit musikalisch-kreativem gemeinsamen Tun und vielen persönlichen Gesprächen in einer anregenden Umgebung ineinandergriffen, für Wolfgang und alle anderen Teilnehmenden beglückend und inspirierend. Diese Form der differenzierten Ganzheitlichkeit hat Wolfgang Metzler immer gefördert.

Viele seiner Impulse werden weiter leben, wachsen, sich entwickeln. Aber die Trauer um diesen sehr besonderen Menschen bleibt. Und die Hoffnung, dass seine Gedanken und Ideen weitergetragen werden.

In Trauer über den Verlust und in tiefer Dankbarkeit,
das Kuratorium der Hessischen Schülerakademien

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