Geschichte: Ritual, Symbol, Repräsentation

Zum Arbeitsprozess

Veröffentlicht am 12. März 2021 in von ; zuletzt geändert: 15. März 2021
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Links: #hsaka barcamp 2020, PDF-Fassung der Gesamt-Doku (gekürzt), PDF-Fassung dieses Teils (in Vorb.)

Autoren: Peter Gorzolla & Moritz Nocher

Der reguläre Arbeitsprozess im Geschichtskurs lässt sich in drei Phasen einteilen, die auch im Corona-Jahr 2020 zur Anwendung kamen:

Zunächst war es notwendig, eine terminologische und methodologische Grundlage für alle Kursteilnehmer*innen zu schaffen, damit die Kursteilnehmer*innen später möglichst eigenständig wissenschaftspropädeutisch arbeiten konnten. Ausgangspunkt war für uns in diesem Jahr das Einleitungskapitel des Handbuchs Rituale der Historikerin Barbara Stollberg-Rillinger (siehe »Inhaltliche Einführung), welches sich die Schüler*innen, angeleitet von ihren studentischen Betreuer*innen, über mehrere Wochen hinweg während des Frühjahrs inhaltlich erschlossen. Um hier eine angemessene und effektive Unterstützung sicherzustellen, wurde der Text zuvor von Kursleitung und Betreuer*innen didaktisch aufbereitet.

In der nächsten, mehrmonatigen Phase bildeten wir Teams aus je zwei Schüler*innen unter Betreuung einer*s Studierenden, die sich jeweils mit einem ausgewählten Spezialthema auseinandersetzten. Ziel der Arbeitsgruppen war es zum einen, die theoretische Grundlage der ersten Phase an einem konkreten Beispiel inhaltlich zu vertiefen, und zum anderen, dieses Spezialthema für den Rest des Kurses aufzubereiten.

Der Höhepunkt unserer Arbeit war die dritte Phase, d.h. die knapp zwei Wochen der „eigentlichen“ Akademiezeit im August – üblicherweise auf Burg Fürsteneck, in diesem Jahr jedoch ausschließlich online. Eingeleitet von Einführungssitzungen der Kursleitung erhielten hier die Teams die Gelegenheit, eine eigene Sitzung zu gestalten und den Rest des Kurses an ihren Ergebnissen und Erkenntnissen teilhaben zu lassen. Dabei waren die Sitzungen keineswegs als Abfolge von Referaten oder Präsentationen, sondern nach dem Prinzip „Lernen durch Lehren“ gestaltet: Die Schüler*innen konnten sich als Lehrende ausprobieren, indem sie „ihre“ Sitzung für den Gesamtkurs gemeinsam mit ihrer*m Betreuer*in zu planen, vorzubereiten und durchzuführen hatten. Die Kursleitung diente dabei mit Beratung im Vorfeld, Begleitung im Hintergrund und Evaluation im Nachhinein gewissermaßen als „didaktische Qualitätssicherung“.

Was nun die konkrete Umsetzung dieses Plans im Rahmen des #hsaka barcamp 2020 betrifft, so war es natürlich nötig, im digitalen Raum neue Wege zu gehen. Trotz erheblicher Anpassungen unseres Gesamtkonzepts gingen wir mit einigen Unsicherheiten in die Schlussphase der gemeinsamen Arbeit – und waren sehr angenehm berührt davon, dass sich unsere Befürchtungen nicht bestätigten: Die veränderten digitalen Arbeitsbedingungen wirkten sich nicht oder nur kaum negativ auf die Arbeitsweisen und Ergebnisse des Kurses aus.

So haben wir beispielsweise die Zahl der regulären Kurssitzungen massiv reduziert, um einer möglichen Überforderung und Überarbeitung entgegenzuwirken. Die so gewonnenen Freiräume wurden in werkstattartige Angebote umgewandelt, deren Besuch freiwillig war. Diese Option wurde von etwa zwei Dritteln der Kursteilnehmer*innen in Anspruch genommen.

Daneben haben wir die Ansprüche für die Vor- und Aufbereitung von Materialien für den Sommer im Umfang reduziert. Einzige Vorgabe für die Teams, die anderen Kursteilnehmer*innen auf das eigene Thema vorzubereiten, war das Erstellen eines frei zu wählenden Medienprodukts. Hier entstanden kurze Videoclips oder Audiobeiträge, Online-Tests und Arbeitsblätter, die kurz vor der Akademie zur Verfügung gestellt wurden.

Auch für die Online-Sitzungen über Zoom haben wir im Vorfeld alle Beteiligten darauf eingestellt, die Dichte und Intensität des Programms niedriger anzusetzen. Die Teilnehmer*innen haben es uns gedankt, indem sie die entstandenen Freiräume nutzten, um sich intensiv auszutauschen – vor allem aber auch, um sich gegenseitig gut zuzuhören. Diese Förderung eines „besseren Zuhörens“ ist mit Sicherheit ein positiver Nebeneffekt des ansonsten oft Spontaneität unterdrückenden Videochat-Szenarios.

Das intensive, motivierte und gut vorbereitete „Miteinander sprechen“ in Gruppenphasen, das schon im regulären Geschichtskurs das Herzstück der meisten Sitzungen ausmachte, stand auch bei der digitalen Umsetzung dieses Jahres im Mittelpunkt des Geschehens. Die Kurszeit teilte sich etwa gleichermaßen in Breakout-Sessions und Plenums-Situationen auf. Die oft gebotenen Gelegenheiten für den ausführlichen Austausch auf Augenhöhe bezeichneten unsere Kursteilnehmer*innen in ihrem Feedback als deutlichsten qualitativen Vorzug dieses Kurses im Vergleich zu ihrer digitalen Schulerfahrung im Sommerhalbjahr 2020.

Ansonsten ist unbedingt zu erwähnen, dass es uns unter den Herausforderungen dieser besonderen Situation noch wichtiger als sonst erschien, jeden Tag die persönliche Ansprache zu suchen und das Gelingen des Kurses zu einer partizipativen Aufgabe zu erklären: mit einem Bekenntnis zur Fehlerkultur, mit regelmäßigem Feedback zum bisher Erlebten, mit kontinuierlichen Einladungen an alle Beteiligten, den Kurs gemeinsam besser zu machen.

Unsere Lehren kurzgefasst: klare methodische Grundlagen, weniger „Stoff“, weniger Druck, Qualität statt Quantität, mehr Freiräume, mehr Austausch, mehr Partizipation – so kommt man durch den Corona-Sommer.

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